Fahrstunden bei Schnee ?!
Wenn der Winter über Hamburg einbricht, kommt es immer wieder vor, dass wir gefragt werden: Finden die Fahrstunden statt?
Die Antwort ist klar und deutlich – JA! Sie finden statt.
Fahren wir bei Schnee, weil wir leichtsinnig sind, kein Gefahrenbewusstsein haben oder einfach das Geld wollen? Auch hier eine klare Antwort: Nein! Ganz sicher nicht.
Für alle die es interessiert, warum wir fahren, möchte ich an dieser Stelle eine kurze Erklärung geben:
- Alle Fahrlehrer unserer Fahrschule sind erfahrene Autofahrer, die allesamt bereits mehrere Winter im Straßenverkehr miterlebt haben. Keiner von Ihnen redet über das Fahren im Winter auf einer theoretischen Basis. Hier gibt es fundiertes Wissen. Zudem sind alle Fahrlehrer bei Sicherheitstrainings gewesen, die das Fahren unter Extrembedingungen geübt haben. Wir wollen nicht eingebildet rüberkommen, du darfst dir aber unserer Expertise sicher sein. Es wird zu keiner Zeit unsicher im Auto, darauf achten wir.
- Das Fahren bei Schnee erfordert ein anderes Fahrverhalten als das Fahren bei trockener und freier Strecke. Immer wieder wird darüber gesprochen, es gibt Dutzende Videos bei YouTube und ganze Bücher haben sich diesem Thema gewidmet. Auch die Fahrschulen thematisieren das Fahren im Winter im theoretischen Unterricht. Wenn es aber darum geht, dass der Schnee wirklich da ist, wird dem einen oder anderen Angst und Bange – und das vielleicht sogar zu Recht. Vielleicht ist man noch nie bei Schnee gefahren, vielleicht hat man schon schlechte Erfahren im Winter gesammelt. Dass man dann Bedenken bekommt, ist doch mehr als verständlich! Die Fahrstunde deshalb abzusagen ist allerdings kontraproduktiv. Nutze doch die Gelegenheit, unter Anleitung mit Hilfe eines Profis die Besonderheiten kennen zu lernen. Der ein oder andere erkennt vielleicht sogar, warum ein, in der Vergangenheit erlebter Unfall passiert ist, und kann durch diese neue Erfahrung zukünftige Unfälle verhindern? Keiner sollte sich also die Gelegenheit entgehen lassen, solch eine Fahrstunde zu fahren. Im Gegenteil.
- Was machen wir denn in einer Fahrstunde bei Schnee? Bevor wir losfahren gehen wir die Besonderheiten durch. Was ändert sich, wenn man auf „glatten Straßen“ fährt? Das wissen die meisten Schüler. Langsamer fahren, früher Bremsen, mehr Abstand und noch mehr mit dem Fehlverhalten der Anderen rechnen. Aber dann geht es in die Praxis und wir fahren los: „Ach, so früh soll ich schon bremsen?“ oder „Du meinst, sooo langsam soll ich tatsächlich fahren?“ oder „Ich hätte nicht gedacht, dass der Andere sooo weit weg sein darf.“ Dies sind völlig normale Äußerungen von Schülern, wenn sie das erste Mal bei Schnee fahren. Und da wird die Theorie dann zur Praxis!
- Was machen wir noch? Wir machen eigentlich immer eine Gefahrenbremsung unter kontrollierten Bedingungen. Die Gefahrenbremsung ist eine Grundfahraufgabe, die in fast jeder Prüfung vom TÜV abverlangt wird. Die meisten Fahrschüler haben die Gefahrenbremsung vorher bereits gemacht und haben einen direkten Vergleich, um wie viel der Bremsweg sich auf einer Schneedecke verlängert. Ich persönlich mache die Gefahrenbremsung dann sogar mal mit +10 km/h, um zu zeigen welche Auswirkung dies auf den Bremsweg hat und danach nochmal mit 10 km/h weniger. So erfährt jede Schülerin und jeder Schüler buchstäblich, wie sich die Wahl der Geschwindigkeit auf das Fahren bei Schnee auswirkt. Diese Übung hat einen extrem hohen Lerneffekt. Das Gefühl, dass der Schüler hier spürt, kann kein Lehrbuch mit 100 Seiten vermitteln.
- Wird bei Schnee die praktische Prüfung durch den TÜV abgesagt? In der Regel nicht. Der Führerschein ist eine Lizenz zum Fahren nicht nur im Sommer. Man darf mit dem Führerschein auch im Winter fahren. In den letzten 25 Jahren hatten wir mal einen Vormittag wo der TÜV Prüfungen wegen Blitzeis abgesagt hat. Schnee und Eis ist also in der Regel kein gültiger Grund. Es ist also besser, dies in den Fahrstunden vorher geübt zu haben, oder?
- Der Wintereinbruch im Januar 2026 in Hamburg hat leider auch gezeigt, dass die Situation häufig schlimmer gemacht wird, als sie tatsächlich ist. Die Schule ist ausgefallen, der öffentliche Nahverkehr ist minimiert worden und die Bevölkerung ist aufgefordert worden, zuhause zu bleiben, weil es auf der Straße „zu gefährlich“ war. Sorry, wir haben Fahrstunden gegeben und unter dem Strich muss man leider feststellen, dass es sich letztlich um einen normalen Winter gehandelt hat, es keine Schneekatastrophe gab und das erwartete Chaos nicht stattfand. Alle Fahrschüler, die an diesen Tagen gefahren sind, waren im Nachhinein froh, diese Fahrstunde genommen zu haben, da sie allesamt gemerkt haben, was man in seinem Fahrverhalten verändern muss, welche Veränderungen es in der Fahrzeugbedienung gibt, wie sich dies anfühlt und dass es möglich ist, sicher „nach Hause“ zu kommen.
- Fahren wir wirklich immer Fahrstunden, unter allen Bedingungen? Nein! Wir fahren keine Motorradfahrstunden bei Temperaturen unter 6 Grad oder bei Gewitter – aus Gründen der Sicherheit. Wir fahren auch nicht bei Blitzeis! In diesem Fall kommen wir aber aktiv auf die Fahrschülerinnen und Fahrschüler zu und sagen die Fahrstunden wetterbedingt ab. Wenn wir uns aber nicht melden, finden alle abgemachten Fahrstunden, wie abgesprochen, statt.










