Fahrlehrer/In - ein Beruf mit Zukunft?

Reginald Gerlach • 6. Januar 2018

An was denken Sie, wenn Sie an „Fahrlehrer“ denken?
An Quälereien mit der Kupplung? Parken? An Typen, die ihre Hände nicht unter Kontrolle halten können? Oder an blöde Sprüche, die alle gängigen Klischees über Männer und Autos sowie Frauen und Parken in voller Bandbreite bedienen? Denken Sie an Theorie-Unterricht, der mehr eine langweilige Pflichtveranstaltung war, in der das größte Highlight ein guter Witz war? An Fahrstunden, nach denen Sie dachten: Jetzt kann ich gar nichts mehr, oder an: Habe ich heute eigentlich was gelernt? Kann es auch sein, dass sie Fahrlehrer für Menschen halten, die dem Fahrschüler nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen? Desinteressierte, mißemotionale Typen, wo man froh ist, sie nie wieder sehen zu müssen?

Oder denken Sie dabei an Menschen, von denen Sie das Gefühl hatten, dass sie ein echtes Interesse daran hatten, Ihnen etwas beizubringen? Typen, von denen Sie merkten, dass ihr Tun mit Sinn und Verstand durchstrukturiert war, die Sie und Ihre Schwierigkeiten beim Erlernen des Autofahrens ernst genommen haben und Ihnen wirkliche Hilfe zukommen ließen? Denken Sie dabei an Menschen, die spürbar bemüht waren, gute Arbeit zu leisten und mit denen Sie als Team zusammen daran gearbeitet haben, das Fahren nicht nur zu erlernen, sondern auch die Prüfung tatsächlich zu schaffen?

Wenn zweiteres auf Sie zutrifft, sind Sie zu beglückwünschen, da Sie in diesem Falle mit Sicherheit eine gute Fahrlehrerin oder Fahrlehrer erwischt hatten!

Die gängige Meinung und öffentliche Wahrnehmung läuft leider oft auf das Erstere hinaus.

Wie es zu solch einem Bild eines Berufsstandes kommt, ist nicht mein heutiges Thema, es muss aber leider mit angesprochen werden, da der Berufsstand: Fahrlehrer in einer echten Klemme steckt: Es gibt keinen Nachschub! Die Fahrlehrerschaft überaltert langsam und es rücken keine neuen und jüngeren Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer nach.
Schlaue Menschen werden Ihnen jetzt erzählen, dass es daran liegt, dass die Bundeswehr keine Fahrlehrer mehr ausbildet oder dass es daran liegt, dass der Beruf des Fahrlehrers kein anerkannter Ausbildungsberuf ist. Und auch wenn beide Argumente faktisch stimmen, sind dies für mich nicht die einzigen Gründe. Leider existiert hier auch ein Imageproblem! Und manchmal leider auch Aktionen, die dieses Bild bestätigen.


Der pädagogische Aspekt

Aber nichts desto weniger möchte ich eine Lanze für den Beruf des Fahrlehrers brechen!
Auch wenn es vielleicht noch nicht bei allen bis zur letzten Konsequenz durchgedrungen ist, handelt es sich beim Fahrlehrer doch grundsätzlich um einen Lehrberuf, sprich um einen pädagogischen. Vielleicht stellt dies für den einen oder anderen schon ein Problem dar, denkt man doch gleich an die Schule und irgendwelche blöden Lehrer, die Fächer unterrichten, die keinen Menschen interessieren und dann auch noch schlecht darin sind.

Aber Menschen, die anderen etwas beibringen, genießen ein großes Privileg, das nicht vielen Berufen zuteil wird – sie arbeiten mit Menschen zusammen, bringen ihnen etwas bei, das sie vorher nicht kannten oder konnten und produzieren auf diese Weise Selbstständigkeit und Sicherheit! Allein diese Tatsache verursacht doch ein Hochgefühl! Was gibt es besseres als das? Leute selbstständiger und sicherer zu machen?

Klar, mit Menschen eng zusammenzuarbeiten ist nicht für jeden etwas. Immerhin hat man auch mit den Unzulänglichkeiten des Menschen zu tun. Und der Gedanke Menschen selbstständiger zu machen, erfreut auch nicht alle. Dieser Tatsache wird nicht gern ins Auge gesehen, ist aber gelegentlich zu beobachten. Und auch nicht alle Menschen sitzen gern im Auto. Das Auto ist schließlich unser Arbeitsplatz!

Es bietet noch andere schöne Seiten. Man lernt unheimlich viele verschiedene Menschen kennen, talentierte, untalentierte, nette aber auch blöde, lustige und ernste, saubere und schmutzige, welche die es lernen wollen und welche die es müssen, ohne es wirklich zu wollen. Welche, die es gut lernen und welche, die denken, dass sie schon alles können. Es gibt draufgängerische und ängstliche Schüler. Die ganze Palette menschlicher Eigenarten und Emotionen lernt ein Fahrlehrer kennen. Wer mit den vielen Facetten des menschlichen Verhaltens nichts anfangen kann, oder der dies lieber meidet – für den ist der Fahrlehrerberuf in der Tat nichts. Und auch wenn der Umgang mit vielen verschiedenen Menschen nicht nur Vorteile bietet, stellt es doch eine ungeheuer große Herausforderung dar!
Im Laufe der Jahre lernt man so unfassbar tolle Menschen kennen. Aber selbstverständlich auch Menschen, die einem nicht liegen. Und auch mit denen klar zu kommen, sie trotzdem genauso auszubilden als wären es die eigenen Kinder, ist eine Aufgabe an der man selbst immens wachsen kann.
Als Fahrlehrer/In hat man sehr viel mit jungen Menschen zu tun, was einen irgendwie auf Zack hält und ebenfalls die Möglichkeit bietet geistig nicht zu „verstauben“. Irgendwie hält einen die jugendliche Lebenskraft selbst jung! Dies ist jetzt eine rein subjektive Auswertung von mir, allerdings haben Kollegen mir dieses Phänomen bestätigt.


Wie bereits erwähnt, ist das Auto der Arbeitsplatz des Fahrlehrers. Wer nicht gern im Auto sitzt, braucht definitiv nicht länger über diesen Beruf für sich nachzudenken. Wer aber gern Auto fährt hat als Fahrlehrer eigentlich ständig mit tollen Autos zu tun. Fahrschulen haben in der Regel aktuelle Fahrzeuge, meistens gut ausgestattet und bleiben allein dadurch ganz gut auf dem Laufenden was die technischen Neuerungen von Fahrzeugen angeht. Tolle Autos zu fahren ist für mich ein eindeutiger Vorteil dieses Berufes.

Wie bei allem im Leben gibt es nicht nur Vorteile, selbstverständlich hat der Fahrlehrerberuf auch Nachteile.
Wir arbeiten in einer Dienstleistungsbranche, was eigentlich immer miese Arbeitszeiten zur Folge hat. Die Fahrlehrerin oder der Fahrlehrer arbeitet zu Zeiten, wo seine Kundschaft Zeit hat; sprich Abends und am Wochenende. Das war also nichts mit geregelten Arbeitszeiten von wochentags 8 bis 16 Uhr. Fragen Sie mal einen Koch nach seinen Arbeitszeiten. Den hat praktisch das selbe Schicksal ereilt. Zu allem Überfluss gibt es auch viele Menschen, die in den frühen Stunden des Tages Zeit haben. Nur in der Mitte bleiben gern Lücken. Familienfreundlich geht anders!
Man sitzt den ganzen Tag. Eigentlich besteht das Leben aus Bewegung, in welcher Form auch immer. Ein Fahrlehrer bewegt sich eher wenig. Der Weg vom Büro zum Auto und zurück ist dann doch nicht das nötige Bewegungspensum, das ein Mensch täglich braucht. Und so kommt es, dass es leicht passiert, dass Fahrlehrer inaktiv werden und aus dem Leim gehen. Dies ist definitiv ein Nachteil, dem nur mit viel Disziplin zu begegnen ist. Und das ist auch nicht jedermanns Ding.
Geduld ist eine Tugend, die dem Menschen nicht unbedingt inhärent ist. Wir alle kennen ungeduldige Lehrer, und keiner wurde gern von ihnen ausgebildet! Jeder Pädagoge hat mit „Dummheit“ zu tun, Sachen, die einfach schwer oder gar nicht verstanden werden. Und, obwohl ich mich selbst als geduldigen Menschen bezeichnen würde, muss ich zugeben, dass auch meine Geduld immer mal wieder auf die Probe gestellt wird. Es gibt Schüler, die es wirklich schwer haben und welche, die einen herausfordern – auch das gibt es.


Hinzu kommt, dass die Schüler nicht nur Fehler machen. Sie machen immer wieder die gleichen Fehler…. und zwar immer wieder. Jeden Tag! Man ertappt sich dabei zur Schallplatte zu werden, die immer wieder das gleiche wiederholt. Dies ist ein Umstand, an dem Lehrer und Pädagogen kaputt gehen können. Sie werden zu Robotern, die den Menschen auf der anderen Seite der Kommunikationslinie vergessen. Und obwohl dies relativ leicht zu bewältigen ist, gibt es viele Lehrer, die diesbezüglich „aufgegeben“ haben – nicht zum Vorteil ihrer Schüler. Am Ende ist die „letzte Lösung“: schreien!

Wenn Sie nun die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, fangen Sie bitte nicht an, die Anzahl der Wörter der Vorteils-Seite und die der Nachteile zu zählen, um herauszufinden, ob der Fahrlehrer ein annehmbarer Beruf ist oder nicht. Dem ist nicht numerisch zu begegnen. Für alle die Andere gern ausbilden und ihnen gern etwas beibringen möchte, ist der Beruf des Fahrlehrers eine ernstzunehmende Alternative. Ich gehe hier nur so umfangreich darauf ein, in dem Versuch ein vollständiges Bild zu vermitteln. Selbstverständlich muss man das ganze Bild kennen, um sich ein Urteil bilden zu können.


Die Ausbildung

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ausbildung zum Fahrlehrer nicht ewig dauert. So viele Berufe werden auf 3 oder 3 ½ Jahre künstlich in die Länge gezogen, was nicht immer nötig ist. Ich verstehe, dass Lehrlinge als günstige und voll einsetzbare Arbeitskräfte von Unternehmern gern akzeptiert werden. Und nur weil der Gesetzgeber diese Möglichkeit bietet, heißt das nicht, dass dies richtig ist. Der klassische Lehrling kommt aus dem Handwerk, in dem es durchaus Sinn macht ihn über einige Jahre hinweg zu jemanden zu machen, von dem man behaupten kann, dass er diesen Beruf nun beherrscht. Aber Verkäufer, Bürokräfte etc …? Sorry, macht keinen Sinn. Also, dass für die Ausbildung zum Fahrlehrer bummelig ein Jahr benötigt wird, ist durchaus vertretbar.


Was sind denn nun die Voraussetzungen, um Fahrlehrerin oder Fahrlehrer der Klasse BE zu werden?
a) mind. 21 Jahre alt
b) eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine gleichwertige Vorbildung, wie beispielsweise (Fach)Abitur
c) im Besitz des Führerscheins der Klasse BE
d) mind. 3 Jahre Fahrpraxis in der Klasse B
e) der deutschen Sprache mächtig
f) geistig, körperlich und fachlich geeignet
g) man muss in einer Fahrlehrer-Ausbildungsstätte ausgebildet und die dazugehörigen Prüfungen bestanden haben
h) ein, durch eine Prüfung bestandenes praktisches Praktikum in einer Ausbildungsfahrschule


Kann man als Fahrlehrerin bzw. Fahrlehrer Geld verdienen, oder ist es eine brotlose Kunst? Ich würde sagen, es ist wie in jedem normalen Beruf. Klar kann man als Fahrlehrer Geld verdienen! Auch ohne Fahrschüler über den Tisch zu ziehen. Allerdings muss man auch wirklich arbeiten, und nicht nur im Büro rumsabbeln. Zudem muss man so gut arbeiten, dass man weiterempfohlen wird. Die Fahrleherschaft lebt zu mind. 60% von der persönlichen Weiterempfehlung! Wer einfach nicht, oder nur schlecht weiterempfohlen wird, geht meistens mit dem Preis runter und verdient nichts mehr.

Ja, der Beruf des Fahrlehrers ist nicht unbedingt ein klassischer Traumjob, wie Feuerwehrmann oder Arzt! Und ja, es ist auch nicht ein Job, der für jeden etwas ist!
Aber es ist ein Job, der seine Reize und sein Gutes hat. Er lebt von der Lebendigkeit seiner Schüler und vom Geiste der Hilfe an Anderen.


Ein weiterer Aspekt, auf den ich bisher nur beiläufig eingegangen bin, der aber noch seine Erwähnung verdient hat, ist dass ein guter Fahrlehrer mehr Sicherheit auf die Straßen bringt. Dies ist ein durchaus heikler Punkt, da praktizierte Verkehrssicherheit für die Fahrschule schon durch den Gesetzgeber vorgeschrieben ist, allerdings durch die Vorgaben des Gesetzgebers nicht in dem Maße vermittelt werden können, wie es eigentlich behandelt werden sollte. Wer als Fahrlehrer in puncto Verkehrssicherheit „Dienst nach Vorschrift“ macht, landet am Ende mit dem erhobenen Zeigefinger vor seinen Schülern, die Stunden vorher schon „abgeschaltet“ haben. In diesem Bereich gibt es nicht nur sehr viel Nachholbedarf des Gesetzgebers der Fahrschule gegenüber, sondern er bietet auch ein großes und weites Feld für engagierte und gute Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die ihren Beruf ernst nehmen.

Und ist der Fahrlehrer jetzt ein Beruf mit Zukunft?
Eindeutig: Ja!


Gerade Deutschland steuert auf ein Verkehrskollaps zu. Es gibt immer mehr Autos auf immer weniger Straßen. Der Drogen und Alkoholkonsum wird trotz immer strengerer Gesetze ein immer größeres Problem. Die Angst vor dem Autofahren nimmt bei immer mehr Menschen zu. Es gibt tausende Führerscheininhaber, die nicht fahren, weil sie nicht das Gefühl haben, dass sie diesem „Krieg auf der Straße“ gewachsen sind. Die Gesetzgebung, die den Straßenverkehr mit all seinen Aspekten behandelt wird immer komplizierter, strenger und teilweise auch unsinniger. Es gibt immer mehr Gesetze, für nicht unbedingt mehr Lebenssituationen!


Und natürlich sind die Lehrberufe und die Pädagogen hier gefordert! Es bedarf engagierter und stolzer Lehrkräfte, die Spaß am Lehren haben und mit Klarheit und Übersicht Dinge vermitteln können. Und für all diese Menschen, habe ich diesen Artikel geschrieben!


von Reginald Gerlach • 18. Oktober 2026
Im Jahre 2027 soll es eine Reform in der Fahrschulausbildung geben! Die Presse ist voll davon. Die Regierung erklärt, dass der Führerschein billiger werden soll. Ich möchte als "Dienstleister am Ende dieser Kette" einmal Stellung dazu nehmen und darüber informieren, was der Stand der Dinge Mitte Oktober 26 ist, und möchte meine Sicht der Dinge darlegen. Schließlich gehöre ich mit zu den Leuten, die dies am Ende ausbaden müssen. Viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler sind derzeit verunsichert und wissen nicht, ob sie sich jetzt anmelden sollen oder nicht. Zuerst einmal hierzu ein Statement an alle, die noch einen Führerschein brauchen und überlegen, ob sie sich jetzt oder im nächsten Jahr anmelden sollen: Statement: Der Stand der Dinge, Stand heute, ist: NICHTS IST BESCHLOSSEN und KEINER WEISS, WAS KOMMT! Dessen sollte man sich schon mal bewusst sein. Wer einen Führerschein braucht, sollte in der Tat nicht warten. Das ist verschenkte Zeit. Wir als Dienstleister werden erst reagieren, wenn wir Fakten haben, und jedermann darf sich sicher sein, dass wir einen Impuls haben, zu überleben! Ja, der Führerschein ist teuer - allerdings macht uns dies nicht zu reichen Menschen. Wenn Leistungen durch den Gesetzgeber gestrichen werden, von denen wir leben, wird es Reaktionen der Fahrschulbranche geben, da man nicht durch ein Gesetzgebungsverfahren eine ganze Branche in den Ruin treiben kann. Das Portfolio der Fahrschulen wird sich dann sicherlich ändern, allerdings werden die dann angebotenen Leistungen so kalkuliert sein, dass wir A) überleben und unsere Rechnungen zahlen können und B) kein Mitarbeiter entlassen werden muss. Man kann also schon mal davon ausgehen, dass der Fahrstundenpreis angeglichen wird und neue Leistungen entsprechend kalkuliert werden. Wer also einen Führerschein braucht, sollte sich eher jetzt anmelden als zu warten, da er sich damit die jetzigen Preise sichert!
von Reginald Gerlach • 25. August 2026
Die Theorie 2026 & 2027 Unsere Theorie findet im Blockformat statt. Das heißt, wir ziehen alle 14 Themen in 7 Werktagen durch! Einmal geplant, einmal durchgezogen - fertig! Wo findet die Theorie bei uns statt? In unserer Filiale in der Bilser Str. 11-13, 22297 Hamburg. -> Standort <-
von Reginald Gerlach • 25. August 2026
-->> Jetzt NEU <<-- Die Klasse AM Die städtische Zweirad-Mobilität hat seit 2021 stark zugenommen! Im entsprechenden Jahr wurde von gesetzteswegen mit der Schlüsselzahl B196 die Möglichkeit geschaffen, dass erfahrene PKW Fahrer ein sogenanntes "Roller Upgrade" machen können. In Klartext heisst dies, dass alle Inhaber der Klasse B eine Art "Erweiterung" ihrer Fahrerlaubnis auf motorisierte Zweiräder in einer Fahrschule machen können, ohne eine Prüfung dafür abzulegen. Dies bezieht sich jedoch nur auf Roller und Motorräder der Klasse A1. Da es bei diesem Artikel eigentlich nicht um B196 gehen soll, sich aber jetzt jemand fragen könnte, was es damit auf sich hat ....?! Hier der Link: https://www.fahrschule-winterhude.de/klasse-a#B196 Jetzt soll es jedoch weiter mit der Klasse AM gehen, die in diesem Zuge ebenfalls einen großen Aufwind erfahren hat.
von Reginald Gerlach • 10. Januar 2026
Wenn der Winter über Hamburg einbricht, kommt es immer wieder vor, dass wir gefragt werden: Finden die Fahrstunden statt? Die Antwort ist klar und deutlich – JA! Sie finden statt. Fahren wir bei Schnee, weil wir leichtsinnig sind, kein Gefahrenbewusstsein haben oder einfach das Geld wollen? Auch hier eine klare Antwort: Nein! Ganz sicher nicht. Für alle die es interessiert, warum wir fahren, möchte ich an dieser Stelle eine kurze Erklärung geben: Alle Fahrlehrer unserer Fahrschule sind erfahrene Autofahrer, die allesamt bereits mehrere Winter im Straßenverkehr miterlebt haben. Keiner von Ihnen redet über das Fahren im Winter auf einer theoretischen Basis. Hier gibt es fundiertes Wissen. Zudem sind alle Fahrlehrer bei Sicherheitstrainings gewesen, die das Fahren unter Extrembedingungen geübt haben. Wir wollen nicht eingebildet rüberkommen, du darfst dir aber unserer Expertise sicher sein. Es wird zu keiner Zeit unsicher im Auto, darauf achten wir. Das Fahren bei Schnee erfordert ein anderes Fahrverhalten als das Fahren bei trockener und freier Strecke. Immer wieder wird darüber gesprochen, es gibt Dutzende Videos bei YouTube und ganze Bücher haben sich diesem Thema gewidmet. Auch die Fahrschulen thematisieren das Fahren im Winter im theoretischen Unterricht. Wenn es aber darum geht, dass der Schnee wirklich da ist, wird dem einen oder anderen Angst und Bange – und das vielleicht sogar zu Recht. Vielleicht ist man noch nie bei Schnee gefahren, vielleicht hat man schon schlechte Erfahren im Winter gesammelt. Dass man dann Bedenken bekommt, ist doch mehr als verständlich! Die Fahrstunde deshalb abzusagen ist allerdings kontraproduktiv. Nutze doch die Gelegenheit, unter Anleitung mit Hilfe eines Profis die Besonderheiten kennen zu lernen. Der ein oder andere erkennt vielleicht sogar, warum ein, in der Vergangenheit erlebter Unfall passiert ist, und kann durch diese neue Erfahrung zukünftige Unfälle verhindern? Keiner sollte sich also die Gelegenheit entgehen lassen, solch eine Fahrstunde zu fahren. Im Gegenteil.
von Reginald Gerlach • 29. September 2023
Die Grundbegriffe in der Anhängerausbildung für die Klasse BE
von Reginald Gerlach • 20. August 2023
Wann ist die beste Zeit, um sich für den Motorradführerschein anzumelden? Wer sich für den Motorradführerschein anmeldet, tut dies in der Regel, wenn die Sonne scheint und die Temperaturen im zweistelligen Bereich sind. Man sieht andere Zweiradfahrer, wie sie das gute Wetter ausnutzen und das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, kann nicht mehr unterdrückt werden. Häufig trägt man diesen Gedanken eh schon seit Wochen mit sich herum, und so fällt die Entscheidung oft spontan - jetzt ist es soweit! Gesagt, getan! Und so sucht man sich eine Fahrschule aus, bei der man sich dann anmelden möchte. Nur leider kommt dann zu häufig das böse Erwachen. Abgesehen von der Tatsache, dass die Kosten für den Führerschein in den letzten 3 Jahren schier explodiert sind und es einfach keine Prüfplätze beim TÜV gibt, stellen die meisten Interessenten fest, dass es nahezu utopisch ist den Motorradführerschein in 6 bis 8 Wochen zum Abschluss zu bringen. Und ja, es stimmt. Fahrschulen werden derzeit von Schülern überrannt. Es gibt meistens nicht genügend Personal, seit Corona sind die Preise enorm gestiegen, es gibt Lieferengpässe von Fahrzeugen und fast keine mir bekannte Fahrschule erhält so viele Prüfplätze beim TÜV, wie sie es bräuchte. Was Motorradfahrschüler manchmal auch nicht bedenken ist, dass der Großteil der Klasse A - Schüler zur arbeitenden Bevölkerung gehören und die Zeit zum Feierabend und am Wochenende nur begrenzt Fahrstundentermine zuläßt - und nicht alle Fahrlehrer arbeiten Samstags. Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass die Motorradausbildung meistens in der allgemeinen Urlaubszeit stattfindet und die Schüler und Fahrlehrer auch nicht immer zeitgleich ihren Urlaub nehmen, so ist, bei mangelnder Koordination zwischen Schüler und Fahrschule, nicht immer von einer harmonischen Zeit in der Fahrschule auszugehen. Wann ist also der beste Zeitpunkt für die Anmeldung in der Fahrschule? Grundsätzlich läßt sich sagen: je besser man plant, desto mehr spielt der genaue Zeitpunkt gar keine Rolle. Ziehen wir das Pferd von hinten auf. Wenn ich eine Motorradtour mit meinen Freunden plane ohne den dazugehörigen Führerschein im Portemonnaie liegen zu haben, bin ich gut beraten mir genügend Informationen früh genug zu besorgen, um nicht in Stress zu geraten.
von Reginald Gerlach • 2. Januar 2019
Prüfungen stellen eine besondere Drucksituation dar. Und der damit verbundene Stress wird unterschiedlich wahrgenommen und verarbeitet. Ganze Bücher füllen dieses Thema: Prüfungen! Viel wurde darüber gesagt & noch viel mehr wird noch kommen. Wir als Fahrschule haben ebenfalls sehr viel damit zu tun, weshalb wir es uns erlauben darüber etwas zu sagen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass man ausgebildet sein muss, um eine Prüfung zu bestehen! Wer nicht fertig ausgebildet ist, braucht Glück! Und wer Glück braucht bekommt es meistens nicht. Wer die Ausbildung vollständig absolviert hat, ist zwar nicht mehr auf das Glück angewiesen, doch muss immer noch in der Lage sein, dieses Können zu demonstrieren. Und das stellt manchmal durchaus ein Problem dar. Eine gute Ausbildung bereitet den Schüler im Falle einer Führerscheinprüfung auch auf die Prüfung und den damit verbundenen Druck vor. Fehlt dieser Aspekt in der Ausbildung, so schmälert dies den Erfolg in der Prüfung. Die folgenden Tipps für die praktische Fahrprüfung sind über die Jahre entstanden und alle haben sich in der Praxis bewahrheitet. Diese Tipps sind nicht durch wissenschaftliche Studien, sondern durch Erfahrung belegt.
von Reginald Gerlach • 15. Dezember 2018
Grundlegendes Ausbildungsprinzip Eine der grundlegendsten Grundlagen in der Ausbildung überhaupt ist, das Prinzip mit dem leichten anzufangen und dem schweren aufzuhören. Pädagogen und Ausbilder, die dieses Grundprinzip in ihren Lehren und Unterrichten nicht durchdacht in Anwendung bringen scheitern in größerem oder kleinerem Ausmaß mit den Resultaten ihrer Schüler. Für mich persönlich ist das einer der drei Hauptsäulen einer erfolgreichen Ausbildung. Ich möchte die verschiedenen Schwierigkeitsgrade in der heutigen Fahrausbildung einmal aus meiner Sicht beleuchten: Was macht ein durchschnittlicher Fahrschüler heutzutage in den ersten Fahrstunden? Er lernt das Fahrzeug, den Sitz, die Schaltung und seine Bedienelemente kennen. Soweit so gut. Als nächstes kommen in der Regel Kupplungs- und Schaltübungen. Schleifpunkt, Tastgeschwindigkeit, Schrittgrschwindigkeit, Gas-Kupplungsspiel, Anfahren in der Steigung, Gefälle, Motorbremse - das volle Programm. Dann hochschalten, zurückschalten, Gänge in Reihenfolge schalten, Gänge überspringen, Brems- und Lenkübungen. Zu allem Überfluss wird das auch noch gern in einer Zone 30 gemacht, da dies als verkehrsberuhigter Raum ja ideal erscheint. Dass der Fahrschüler hier schon „Rechts vor Links“ Situationen bewältigen muss, Fahrstreifenwechsel machen muss, um an geparkten Fahrzeugen vorbei zu kommen, Engstellen, unübersichtliche Situationen meistern muss und nebenbei mit Fahrradfahrern, Fußgängern und spielenden Kindern umgehen muss, wird billigend in Kauf genommen, da hier ja „nicht so viel los“ ist. Und selbst für den Fall, dass der Fahrschüler an einem Fahrlehrer gerät, der ihm diese Tortur erspart und eher größere Straßen fährt, ist der Fahrschüler auch hier Abbiegevorgängen, Fahrstreifenwechseln, verschiedenen Geschwindigkeitsvorschriften, Zebrastreifen, Fahrradfahrern, gelben und roten Ampeln sowie auf der Straße parkenden Paketdiensten ausgesetzt. Es gibt nur sehr wenige Fahrschulen, die örtlich so ideal gelegen sind, dass derartige „Störfaktoren“ ausgeschaltet sind und der Fahrschüler sich ausschließlich auf die behandelten Übungen konzentrieren kann. Aber selbst in solch einem „idealen“ Umfeld kommen in der Regel als nächstes Verkehrssituationen, die den Fahrschüler häufig zurück in die Fahrzeugbedienung werfen, mit der er häufig doch noch überfordert ist. Und so scheint es das Schicksal des heutigen Fahrschülers zu sein, dass er eigentlich ständig 5 Sachen auf einmal machen muss und sich häufig noch anpflaumen lassen muss, wenn er in diesem ganzen Tohuwabohu mal ein Schild, einen anderen Verkehrsteilnehmer oder eine Ampel übersieht. Na dann gute Nacht Marie! D  er Fahrsimulator bietet hier einen Schwierigkeitsgrad davor! Hier hat der Fahrschüler die Möglichkeit ohne Drängler von Hinten, der Gefahr einen Unfall zu haben oder anderen Störfaktoren in Ruhe alle Handlungsabläufe „trocken“ üben kann. Leider bieten nicht alle Fahrschulen diese Möglichkeit an und die Fahrschulen, die diesen Service haben, stellen immer wieder fest, dass viele Fahrschüler dies als Unnötig empfinden. Leider! Wir haben es hier also mit einem extrem grundlegenden Fehler in der heutigen Fahrausbildung zu tun. Einem sehr grundlegenden Fehler, da wir als Fahrlehrer eigentlich ständig mit der Überforderung und dem fehlenden Überblick des Fahrschüler konfrontiert sind.
von Reginald Gerlach • 4. Juni 2018
Nun hatte ich kürzlich wieder einen Fahrlehreranwärter, der seine Ausbildung in einer anderen Ausbildungsfahrschule aufgrund einiger Differenzen abgebrochen hatte und bei mir in der Fahrschule um Hilfe bat, dessen Ausbildung zu einem glücklichen Ende zu bringen. Warum Fahrlehreranwärter ihre Ausbildung bei mir nie von Beginn an absolvieren, sondern immer nur auftauchen, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen wirklich dabei hilft ihre Ausbildung fertig zu bekommen, weiß vielleicht nur die Konkurrenz oder der liebe Gott. Obwohl meine Bestehensquote in der Fahrlehrerausbildung bei 100% liegt. Sei's drum! Über meine Erkenntnis, die ich dabei im Nachhinein hatte, möchte ich kurz berichten. Fahrlehrerinnen & Fahrlehrer müssen in einer "Ausbildungsfahrschule" eine Praktikumsphase absolvieren, in der sie unter Anleitung eines ausgebildeten und erfahrenen Ausbildungsfahrlehrers angeleitet und darin geführt werden, wie man korrekt Fahrschülerinnen und Fahrschüler ausbildet. Diese Praktikumsphase soll im Regelfall 4 Monate dauern. Dies ist zwar knapp bemessen, ist aber die Vorgabe. Da ich in der Tat nur Anwärter bei mir in der Fahrschule hatte, die mit ihrer Ausbildung woanders gescheitert sind, hatte ich mich schon des öfteren gefragt, wie es sein kann, dass diese Praktikanten es sich gefallen lassen, nicht ausgebildet zu werden. Ich kenne zu viele Beispiele, wo der Fahrlehreranwärter nur ein Bruchteil von dem hospitiert hat, was verlangt wird und nur wenig bis gar keine Anleitung bekommen hat. Wahrscheinlich fühlen sie sich geschmeichelt, wenn der Ausbildungsfahrlehrer ihnen einen Autoschlüssel in die Hand drückt und sagt: „Mach!". Vielleicht denken sie: "oh, ich mach das wahrscheinlich schon so gut, dass er gar nicht mehr zuschauen muss ..." Lieber Anwärter! Die Quittung für deine falsche Einschätzung und diese fehlende Anleitung, die gerade in der Anfangsphase elementar und wegführend ist, bekommst du kurz vor den Lehrproben, wenn du merkst was dir alles fehlt um diese Prüfungen zu bestehen! Davon, welche Auswirkungen dies auf deine spätere Berufslaufbahn hat, möchte ich gar nicht anfangen. Ja, irgendwie kommt es mir so vor als wenn das Kriterium für einen Praktikanten, ob er nun ausgebildet wird oder nicht darin besteht, ob der Ausbildungsfahrlehrer freundlich ist und Fragen beantwortet wenn man mal welche hat. Die Realität ist selbstverständlich eine völlig andere. Klar ist es das mindeste freundlich behandelt zu werden und Fragen beantwortet zu bekommen! Aber! - das ist nicht das wofür die Praktikumsphase in der Ausbildungsfahrschule da ist! Sie ist dazu da, dich in diesen Beruf einzuführen und dir bei der praktischen Umsetzung dieser ganzen Theorie und den Gesetzen sowie Verordnungen zu helfen, die du vorher reingedrückt bekommen hast. Es geht um einiges mehr, als nur darum ein paar auftauchende Fragen beantwortet zu bekommen! Liebe Fahrlehreranwärterin, lieber Fahrlehreranwärter: Sei weise in der Wahl deiner Ausbildungsfahrschule. Nimm nicht unbedingt die, die bei dir um die Ecke ist. Nicht unbedingt die, die groß oder klein ist. Nicht unbedingt die, die einen coolen Eindruck macht, besonders jung oder alt ist oder gar mit fragwürdigen Deals um die Ecke kommt. Frage auch nicht unbedingt die selbstständigen Fahrlehrer - jeder ist von sich und (manchmal) nur von sich überzeugt. Fragt auch nicht mich! Auch ich bin von mir überzeugt. Die Fahrschulwelt ist klein und es ist erstaunlich wie sehr einige den anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen. Ich kenne Propaganda über Fahrlehrer, in der deren Privatleben genutzt wird um ein schlechtes Bild zu streuen. Die Fahrlehrerausbildungsstätten sind auch nicht zwangsläufig ein guter Ratgeber, da sie keine Fahrschule bevorteilen oder gar schwarze Schafe anprangern dürfen. Die Ausbildungsstätten kommen mit sowas in teufels Küche. Ähnlich ist es für die Fahrlehrerverbände. Nein, findet angestellte Fahrlehrer, vorzugsweise welche, die selbst gerade erst durch ihre Ausbildung durch sind. Lasst euch über deren Erfahrung berichten! Wie sehr wurde ihnen geholfen? Hat man sie wirklich angeleitet und am Ende dabei geholfen durch ihre Lehrproben zu kommen? Holt euch Informationen, keine Gerüchte. Es gibt gute Fahrlehrer und gute Ausbildungsfahrlehrer! Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die auch nach Jahren immernoch gern ausbilden und sich daran erfreuen, wenn sie anderen etwas beigebracht haben, was dieser vorher noch nicht konnte. Man muss sie manchmal nur suchen und finden.
von Reginald Gerlach • 14. September 2017
Serie: Was ist ein guter Fahrlehrer/In? #3 Diese kleine Mini-Serie soll das Thema: Was ist ein guter Fahrlehrer/In? behandeln. Da diese Frage nicht leicht zu beantworten ist und 10 Menschen 12 verschiedene Meinungen darüber haben, versuche ich dieses Thema grundlegend, menschlich und pädagogisch anzugehen. Es gibt natürlich verschiedene Aspekte. Heute geht es um Konzept und Struktur in der Ausbildung - ein überaus wichtiger Teil einer jeden Ausbildung!