von Reginald Gerlach
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4. Juni 2018
Nun hatte ich kürzlich wieder einen Fahrlehreranwärter, der seine Ausbildung in einer anderen Ausbildungsfahrschule aufgrund einiger Differenzen abgebrochen hatte und bei mir in der Fahrschule um Hilfe bat, dessen Ausbildung zu einem glücklichen Ende zu bringen. Warum Fahrlehreranwärter ihre Ausbildung bei mir nie von Beginn an absolvieren, sondern immer nur auftauchen, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen wirklich dabei hilft ihre Ausbildung fertig zu bekommen, weiß vielleicht nur die Konkurrenz oder der liebe Gott. Obwohl meine Bestehensquote in der Fahrlehrerausbildung bei 100% liegt. Sei's drum! Über meine Erkenntnis, die ich dabei im Nachhinein hatte, möchte ich kurz berichten. Fahrlehrerinnen & Fahrlehrer müssen in einer "Ausbildungsfahrschule" eine Praktikumsphase absolvieren, in der sie unter Anleitung eines ausgebildeten und erfahrenen Ausbildungsfahrlehrers angeleitet und darin geführt werden, wie man korrekt Fahrschülerinnen und Fahrschüler ausbildet. Diese Praktikumsphase soll im Regelfall 4 Monate dauern. Dies ist zwar knapp bemessen, ist aber die Vorgabe. Da ich in der Tat nur Anwärter bei mir in der Fahrschule hatte, die mit ihrer Ausbildung woanders gescheitert sind, hatte ich mich schon des öfteren gefragt, wie es sein kann, dass diese Praktikanten es sich gefallen lassen, nicht ausgebildet zu werden. Ich kenne zu viele Beispiele, wo der Fahrlehreranwärter nur ein Bruchteil von dem hospitiert hat, was verlangt wird und nur wenig bis gar keine Anleitung bekommen hat. Wahrscheinlich fühlen sie sich geschmeichelt, wenn der Ausbildungsfahrlehrer ihnen einen Autoschlüssel in die Hand drückt und sagt: „Mach!". Vielleicht denken sie: "oh, ich mach das wahrscheinlich schon so gut, dass er gar nicht mehr zuschauen muss ..." Lieber Anwärter! Die Quittung für deine falsche Einschätzung und diese fehlende Anleitung, die gerade in der Anfangsphase elementar und wegführend ist, bekommst du kurz vor den Lehrproben, wenn du merkst was dir alles fehlt um diese Prüfungen zu bestehen! Davon, welche Auswirkungen dies auf deine spätere Berufslaufbahn hat, möchte ich gar nicht anfangen. Ja, irgendwie kommt es mir so vor als wenn das Kriterium für einen Praktikanten, ob er nun ausgebildet wird oder nicht darin besteht, ob der Ausbildungsfahrlehrer freundlich ist und Fragen beantwortet wenn man mal welche hat. Die Realität ist selbstverständlich eine völlig andere. Klar ist es das mindeste freundlich behandelt zu werden und Fragen beantwortet zu bekommen! Aber! - das ist nicht das wofür die Praktikumsphase in der Ausbildungsfahrschule da ist! Sie ist dazu da, dich in diesen Beruf einzuführen und dir bei der praktischen Umsetzung dieser ganzen Theorie und den Gesetzen sowie Verordnungen zu helfen, die du vorher reingedrückt bekommen hast. Es geht um einiges mehr, als nur darum ein paar auftauchende Fragen beantwortet zu bekommen! Liebe Fahrlehreranwärterin, lieber Fahrlehreranwärter: Sei weise in der Wahl deiner Ausbildungsfahrschule. Nimm nicht unbedingt die, die bei dir um die Ecke ist. Nicht unbedingt die, die groß oder klein ist. Nicht unbedingt die, die einen coolen Eindruck macht, besonders jung oder alt ist oder gar mit fragwürdigen Deals um die Ecke kommt. Frage auch nicht unbedingt die selbstständigen Fahrlehrer - jeder ist von sich und (manchmal) nur von sich überzeugt. Fragt auch nicht mich! Auch ich bin von mir überzeugt. Die Fahrschulwelt ist klein und es ist erstaunlich wie sehr einige den anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen. Ich kenne Propaganda über Fahrlehrer, in der deren Privatleben genutzt wird um ein schlechtes Bild zu streuen. Die Fahrlehrerausbildungsstätten sind auch nicht zwangsläufig ein guter Ratgeber, da sie keine Fahrschule bevorteilen oder gar schwarze Schafe anprangern dürfen. Die Ausbildungsstätten kommen mit sowas in teufels Küche. Ähnlich ist es für die Fahrlehrerverbände. Nein, findet angestellte Fahrlehrer, vorzugsweise welche, die selbst gerade erst durch ihre Ausbildung durch sind. Lasst euch über deren Erfahrung berichten! Wie sehr wurde ihnen geholfen? Hat man sie wirklich angeleitet und am Ende dabei geholfen durch ihre Lehrproben zu kommen? Holt euch Informationen, keine Gerüchte. Es gibt gute Fahrlehrer und gute Ausbildungsfahrlehrer! Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die auch nach Jahren immernoch gern ausbilden und sich daran erfreuen, wenn sie anderen etwas beigebracht haben, was dieser vorher noch nicht konnte. Man muss sie manchmal nur suchen und finden.